Ende einer Dienstfahrt

Ende einer Dienstfahrt ist eine im Jahre 1966 veröffentlichte Erzählung von Heinrich Böll.

Handlung

Johann und Georg Gruhl, Vater und Sohn, sind Möbeltischler. Johann Gruhl hat erhebliche Steuerschulden angehäuft; seine Situation verschlechtert sich, als sein Sohn zur Bundeswehr eingezogen wird. Am Ende seiner Dienstzeit erhält Georg Gruhl den Befehl, durch ziellose Fahrten mit einem DKW MUNGA Geländewagen den für die routinemäßige Inspektion erforderlichen Kilometerstand zu erzeugen, fährt aber stattdessen nach Hause. Gemeinsam präparieren Vater und Sohn Gruhl den Wagen und verbrennen ihn unter Absingen von Litaneien auf offener Straße. Die anfänglich als politisch motiviert eingestufte Straftat wird im Laufe der Verhandlung und nach dem Gutachten des Kunstprofessors Büren als eine Form der Anti-Kunst („Happening“) neu bewertet. Vom örtlichen Amtsgericht werden sie zu vollem Schadensersatz und wegen groben Unfugs zu sechs Wochen Haft daher milde verurteilt.

Erzählerische Umsetzung

Böll schildert die einen Tag dauernde Verhandlung vor dem Amtsgericht. So werden durch die zahlreichen Zeugenaussagen das Leben und die Straftat der Gruhls differenziert dargestellt.

„Wie Böll die Gerichtsverhandlung einerseits zu einer Art von turbulentem rheinischen Familientreffen ausbaut, wie er ihr andererseits aber doch jenen Beisatz von Unheimlichkeit erhält, der ja auch die zur Beurteilung stehende Tat kennzeichnet, das ist erzählerische Regie großen Formats.“

Zu seinen Stilmitteln siehe auch den entsprechenden Abschnitt unter „Diglossien in Literatur und Film“.

Erstausgabe

  • Heinrich Böll: Ende einer Dienstfahrt. Erzählung. Kiepenheuer & Witsch, Köln, Berlin 1966, ISBN 978-3-462-03185-0. (26 Wochen lang in den Jahren 1966 und 1967 auf dem Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste)

Verfilmung

1971 erschien der auf diesem Stoff beruhende Spielfilm gleichen Namens von Hans Dieter Schwarze.

Literatur

  • Joachim Linder: Die Kunst des Strafverfahrens: Die Strafjustiz in Heinrich Bölls Erzählung „Ende einer Dienstfahrt“ (1966). In: Konstruktion der Wirklichkeit durch Kriminalität und Strafe. Hg. von Detlev Frehsee, Gabi Löschper und Gerlinda Smaus. (Interdisziplinäre Studien zu Recht und Staat, Bd. 5) Nomos, Baden-Baden 1997, S. 304–28. PDF/Digitalisat des Autors
Romane, Erzählungen und Novellen von Heinrich Böll

Romane
Wo warst du, Adam? | Und sagte kein einziges Wort | Haus ohne Hüter | Billard um halb zehn | Ansichten eines Clowns | Gruppenbild mit Dame | Fürsorgliche Belagerung | Frauen vor Flußlandschaft

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Der Mann mit den Messern | Der Zug war pünktlich | Wanderer, kommst du nach Spa… | Auch Kinder sind Zivilisten | Die schwarzen Schafe | Nicht nur zur Weihnachtszeit | Die Waage der Baleks | Das Brot der frühen Jahre | Irisches Tagebuch | Im Tal der donnernden Hufe | Der Bahnhof von Zimpren | Doktor Murkes gesammeltes Schweigen | Als der Krieg ausbrach | Als der Krieg zu Ende war | Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral | Entfernung von der Truppe | Ende einer Dienstfahrt | Die verlorene Ehre der Katharina Blum | Berichte zur Gesinnungslage der Nation | Du fährst zu oft nach Heidelberg | Was soll aus dem Jungen bloß werden? | Das Vermächtnis | Die Verwundung

Hörspiele
Die Spurlosen | Hausfriedensbruch

Postum
Der Engel schwieg | Der blasse Hund | Kreuz ohne Liebe

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